Sicherheit

Die Sicherheit des Personals im Umgang mit aggressiven Patienten oder Begleitpersonen hat erste Priorität.

Selbstschutz der Helfer vor Infektionen wie z. B. Hepatitis und HIV muss auch in der Notfallsituation praktiziert werden.

Auch unter Zeitdruck darf die Sicherheit von Patient und Helfern nie vernachlässigt werden.

Kontrollen vor der Verabreichung von Medikamenten und Blutprodukten müssen standardmässig erfolgen.

 
Team
Notfallmedizin ist Teamarbeit. Ideen, Beobachtungen und kritische Einwände sollen ungeachtet der Hierarchiestufen offen kommuniziert werden. Letztendlich entscheidet der Teamleader über das weitere Vorgehen.
Diskussionen in der Akutsituation werden vermieden, Nachbesprechungen sind jedoch obligatorisch.
 
Behandlung vor Diagnose
Notfallmedizin ist im ersten Behandlungsschritt meistens problemorientiert.
Eine fehlende Diagnose darf die Behandlung nicht verhindern. Wenn ein Problem erkannt ist, soll es auch behandelt werden.
 
Worst case
Bei der Behandlung von Notfallpatienten soll immer von der schlimmsten Möglichkeit einer Erkrankung oder Verletzung ausgegangen werden. Beispiel: Ein Patient mit Thoraxschmerz wird bis zum Ausschluss so behandelt und überwacht, wie wenn es sich um einen Herzinfarkt handeln würde.
Es ist gefährlich, auf Grund früher gemachter Erfahrungen oder Äusserungen anderer Beteiligter leichtfertig zu bagatellisieren.
Besonders bei Patienten aus anderen Kulturkreisen, sehr schmerzempfindlichen oder sehr indolenten Patienten und Menschen mit psychischen Erkrankungen sollte die «Worst case»-Regel ganz bewusst praktiziert werden.
 
Antizipation
Durch Vorausschau sollen mögliche Komplikationen präventiv verhindert werden. Beispielsweise soll bei Volumenverlusten nicht erst mit dem Ersatz begonnen werden, wenn der körpereigene Kompensationsmechanismus versagt.
Bei eintretenden Veränderungen des Zustandes des Patienten oder bei organisatorischen Abläufen ist es wichtig, die weiteren Massnahmen zu überdenken und den neuen Umständen anzupassen.
Antizipation bedeutet auch, seine Arbeit laufend zu planen und vorausschauend zu organisieren.
 
Stufenkonzept
Beim Notfallpatienten erfolgt das Vorgehen nach einem Stufenkonzept. An erster Stelle stehen hierbei die ABCDE-Sofortmassnahmen, die Sicherung der Vitalfunktionen, das Monitoring sowie das zeitgleiche Einholen von wichtigen Informationen. Ein weiterer Schritt ist die Erhebung der Anamnese und der Status sowie Hilfsuntersuchungen wie Röntgen usw.. Die Behandlung soll systematisch, präventiv und kausal erfolgen.
Ebenfalls soll der Empfang und die Übergabe des Patienten an andere Dienste wie IPS, OP, Abteilung usw. systematisiert sein.
 
Gemeinsame Sprache
In Notfallsituationen ist es besonders wichtig, dass innerhalb des Behandlungsteams dieselbe notfallmedizinische Sprache gesprochen wird. Doppelspurigkeiten und Missverständnisse können so minimiert werden.
Standardisierte Abläufe müssen allen bekannt sein und bedürfen laufend interdisziplinärer Schulung und regelmässiger Anpassung.
 

 

 

 

 

 

Grundsätze der akuten Notfallmedizin